klaus_marwede schrieb:
Hallo
die Zahl der Flüge hat eigentlich "nur" statistischen Wert. Was die Zahlen aussagen ist doch folgendes:
a) Die Begründung für das öffentliche Interesse ist schlicht die Forschung, aber die Nutzung erfolgt vor allem von VW und angeschlossenen Unternehmen.
Eben genau das sagen diese Zahlen ja meiner Meinung nach nicht aus. Das statistische Bundesamt weist für 2009
in seiner Publikation
"Luftverkehr auf allen Flugplätzen - Fachserie 8 Reihe 6.2 - 2009"
z.B. im gewerblichen Luftverkehr insgesamt 5.044 Starts aus. Davon sind aber alleine schon 2.590 Starts mit Maschinen unter 2t Gesamtgewicht erfolgt. Selbst, wenn man davon ausgeht, dass VW den ganzen Rest (2.454) verursacht hat, sind das keine 50% (alleine von den gewerblichen Flügen).
Aber selbst das kann so nicht sein, denn bei diesen gewerblichen Flügen sind nur 480 aus dem Linienverkehr, 1.395 aus dem "Pauschalflugreise-, Tramp- u. Anforderungsverkehr" und 569 aus "sonstiger gewerblicher Verkehr". Der Rest sind Rundflüge (10) und gewerbliche Schulflüge (2.590). Es verbleiben also maximal 2.444 gewebliche Flüge, die von VW verursacht sein könnten (für 2009).
Jetzt zum Anteil: Insgesamt verzeichnet die o.g. Quelle für Braunschweig in 2009 im nichtgewerblichen Verkehr weitere 8.305 Motorflüge, 3.147 Segelflüge, 222 Motorsegelflüge und 919 UL-Flüge, also zusammen 12.593 nichtgewerbliche Flüge (alles Starts).
Zusammen sind also in 2009 17.637 Starts erfolgt, von denen maximal 2.044 von VW verursacht sein könnten (es sei denn, VW betreibt oder beauftragt Maschinen aus der "Echo-Klasse".
Für mich ergibt sich daraus ein maximaler "VW-Anteil" an der Flughafennutzung von knapp 11,6% über alles und gut 40,5% im gewerblichen Bereich (was knapp mehr als der Anteil von VW an der Flughafengesellschaft ist).
Die Erläuterungen zur Erhebung sind in dem Dokument recht umfangreich, und es bleiben zum Erhebungsverfahren eigentlich keine Fragen offen. Daten über die Betreiber der Maschinen bzw. deren Auftraggeber sind in diesem Dokument allerdings nicht zu finden (da dürfte Datenschutz wohl greifen).
Das Dokument ist kostenlos verfügbar.
Ob und wie sich die Zahlen in 2010 geändert haben, kann ich nicht sagen, weil die Flughafengesellschaften nur einmal im Jahr die Zahlen an das statistische Bundesamt melden müssen.
b) Die Forschung hat nicht widerlegt warum ein Kompromissvorschlag wg. der Länge nicht machbar ist.
www.querumer-forst.de/?page_id=1386 Der Kompromissvorschlag ist nicht von irgendwelchen "Krakehl-Hanseln" (Zitat aus der Politik) sondern von einem Berufspiloten ausgearbeitet. Er ist fachlich kreuz und quer gecheckt - einschließlich der Bewertung der Schubkraft der Motoren der konkret in Rede stehenden Flieger durch Leute denen der Flughafen BS relativ egal ist.
Für VW wäre dieser Kompromiss immer noch Luxus - und für das DLR ausreichend - und damit schwindet das öffentliche Interesse an der "very long version" zumindest mit dieser aktuellen Begründung. So jedenfalls sehen das glaube ich die BI's.
Und dann ist da noch was anderes: Die Frage ob der Flughafen ein "Fracht-Drehkreuz" für VW wird - ohne Nachtflugverbot etc. - ist auch nicht ganz ohne - und auch dafür ist die Frage relevant wieviele Flüge auf das "Konto" von VW gehen.
Das sind Themen, von denen ich zugegebenermaßen wirklich keine Ahnung habe (die Rechenbeispiele aus dem Kompromissvorschlag kann ich aber durchaus nachvollziehen), die aber auch mit meiner Frage zur Zählung nichts zu tun haben.
Diese Fragen müssen sicherlich auch geklärt werden.
Letztes Argument: Und wenn in der Angelegenheit zu sehr gelogen oder zumindest "beharrlich geirrt" wird - und man versucht uns zu erzählen dass die VW-Nutzung eigentlich von untergeordneter Bedeutung ist - dann macht einen das halt hellhörig.
Dennoch geht diese Diskussion m.E. in die falsche Richtung: Die Frage MUSS sein ob das ganze Ding unter Aspekten des Natur- und Artenschutzes vertretbar ist. Sonst behalten die Cree irgendwann recht: Erst wenn der letzte Baum ...
Wie gesagt, ich werfe hier lediglich die Frage nach der Zählweise der BI bzgl. der Flugbewegungen und des VW-Anteils auf.
Ich bin persönlich nicht von der Verlängerung der Piste betroffen, verstehe aber sowohl viele Einwänder der BI, als auch einige Argumente der DLR bzw. der Flughafengesellschaft.
Aber die Diskussion darüber gehört auch nicht in das Thema hier, sondern an eine andere Stelle.
Das hier ist - wie Du zu Recht bemerkst - eigentlich nur ein "Nebenkriegsschauplatz".
Schönen Gruß
Spartacus